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2020

2020


Der Neustart des Schreibhauses hat sage und schreibe drei Jahre gedauert. Und die ersten Versuche des Neustarts waren von frustrierenden spießigen Begegnungen, literarischem Unvermögen, von Phantasielosigkeit und Eitelkeiten begleitet. Aber was soll's? Diese "Störfaktoren" gehören zur Literatur wie Grippe zum Leben.
Daneben gab es aber auch 2017 echte Kuriositäten, wie sie auch nur das Leben schreiben kann und uns beweist, dass das Schreibhaus nicht auf dem Mond steht, sondern mitten in den Verrücktheiten dieses Lebens. Aber "verrückt" ist ja auch nur eine Frage der Perspektive und kann ohne eine Normvorstellung, zu der es in Relation steht, gar nicht existieren.

Vielleicht sollte ich besser die ganze Geschichte erzählen, soweit sie mir bekannt und meiner Perspektive zugänglich ist, anstatt mich in abstrakten, spekulativ klingenden Andeutungen zu ergehen. Über die "Störfaktoren" lohnt es sich nicht zu schreiben. Sie sind wie Staub auf der Linse und trüben nur vorübergehend die Sicht, sie haben nichts mit dem Bild zu tun, das es festzuhalten gilt.
Aber ein Malerkollege, der wie aus dem Nichts auftaucht, sich an alte, Jahre zurückliegende Zusammenarbeit erinnernd, neu anfangen möchte und mit dem erst ein Buch unter dem Titel "Trau, schau, wem" produziert wird und der nach weiteren Produktionen ruft, woraufhin ein Zweites Buch "Versuch!, Kafka neu zu denken" entsteht und er noch ein Bilderbuch ganz nach seiner Art unter dem Titel "Es kocht!" drauf setzt - schwerst krank und im Endstadium Krebs, so dass es im Oktober 2017 heißt, er würde wahrscheinlich Weihnachten nicht erleben, muss unbedingt erwähnt werden. Er schreibt Geschichte - Schreibhaus-Geschichte.

Nach den genannten Büchern gingen wir im Streit und traurig auseinander. Es hatte wohl doch keinen Sinn, einen Traum von einem Schreibhaus sich übers Knie brechen zu wollen.
Der Kollege wollte keinen Kontakt mehr, bald erschien auf seinem Profilbild auf Whatsapp ein Totenkopf, so dass ich schloss, es gehe zu Ende mit ihm und dann verschwand alles aus Whatsapp. Das Telefon war verstummt, die Nummer weg und ich im Glauben, der Kollege sei Tod.
So vergingen zwei Jahre, und der letzte ernsthafte Versuch, das Schreibhaus neu zu beleben, versandete und auf der Homepage blieb die Zeit bei den Neujahrsgrüßen 2018 stehen.
Dann 09. November 2019, der Tag ist noch keine Stunde alt, in der Geisterstunde checke ich meine Mails zum letzten Mal für heute denke ich, und meine natürlich den 8. November, um bald ins Bett zu gehen: doch mein Blick bleibt an der Betreffzeile eines Spams hängen, was ich geschmacklos auffällig finde: «Hans - Jürgen Gawoll grüsst .... Hoi und ein kräftiges Hopp für Dich, Uri!» Mein Autorenfreund, der Philosoph Hans-Jürgen Gawoll, geboren am 10. März 1957 in Gliwice/Polen, war am 17. September 2004 verstorben. Wer konnte sich seines Namens bedienen, um mir ein Spam unterzujubeln? Der Blick auf den Absender erschien mir noch gespenstischer - wie war das möglich? Der Absender unter dem Namen des verstorben geglaubten Malerkollegen. Die Zeilen, die ich in der Mail zu lesen beginne, klingen authentisch: "Eine Mail aus dem wieder und immer noch und immer mehr ungeliiebten Dütschland, Fankfurt am Main, innert November ´019
Und ein Herzliches !!!!! 
" Hopp - Hurra ich lebe noch!!
Nach den natürlich "weltbesten Prognosen" der gross- dütschen Ärtzteschaft"
(kotz)
Ja, Du liest richtig!!!" 
Uri, ich weiss wirklich nicht wie und wo ich anfangen könnt? [...]
Ein (fast) unverzeilicher Fehler, 
in der sgg. Lebensplanung!
Wermutstropfen;
Im Grossen und Ganzen, ganz gut ausgegangen.
Es bestätigt wieder einmal die alte Regel;
Nichts - Nix, ist im Leben planbar.
Jo, ich läbbe noch!
Leider!!!


Jetzt aber zur Realität retur!

Wie Du Uri,als realistisch denkender
Zeitgenosse,ein bisschen und eventuell, 
in Deinen Erinnerungen,
ein noch eventuell präsent Auftauchender,  
nach den "integeren Prognosen der gesamten dütschen Ärzteschaft"!
Der Bekannte,
der nun doch wieder und unerwartet, 
im Reich der Lebenden aufgetaucht ist.
Der sich wieder sauglatt und gern, 
im wahren Lebendes platzieren tät.
Und ein wenig, nichts Aussergewöhnliches,
das Etwas bewirken könnte, 
im Reich der totalen geistigen Verblödung und Ignoranz!
Auch genannt; Dütschlands viertes Reich!

So habe ich mir mit vielen Umwegen, in Ägypten, eine noch seltene Ausgabe von den Krokus-Gedichten besorgt. Und einfach mal losgelegt.
Für 
eine Neuauflage des frühen Lyrikbandes von Hans-Jürgen Gawoll;
"Nicht nur Krokus- Gedichte aus Istanbul"

[...]

Meine Idee, eine 
repräsentative, exklusive Taschenbuch-Edition!!, des  Schreibhaus-Verlags, mit neuen und auch bereits veröffentlichen Werken Malües!©™ und Uri Bülbüls. 

Ebenso sollten in der neuen exklusiven Schreibhaus-Edition, 
in Gedenken an den in 2005 unerwartet verstorbenen, gemeinsamen Freund,nicht nur im Geiste und Überzeugung. einem Kollegen, 
Hans-Jürgen Gawoll.

Seine bekanntesten, heute so aktuell - wie zu Zeiten der Erstveröffentlichung; tragisch aktuell erscheinenden Lyrik-Werke, die
in überarbeiteten und z.T. erstmalig illustrierten Ausgaben eine wahre Reinkarnation erleben müssen .

Das angepeilte Ziel, des Schreibhaus-Verlags ist;

Weitere bekannte und auch noch unbekannte Autoren/Autorinnen, sukzessive, somit in der turnusmässig erscheinenden exklusiven Edition eingebunden werden.

Jetzt bleibt nur noch ein kräftig " Hopp Schreibhaus" zu wünschen."

Das klang nicht nur nach MALÜE - das WAR MALÜE. Er lebte und ließ mich aus allen Wolken fallen. Und in einer späteren Mail benutzte er die Formulierung, die mich lachen machte: "Um Missverständnisse zu vermeiden: ich sterbe noch immer!" "Ja", antwortete ich, "das tun wir wohl alle, wenn wir das Leben als ein Sein zum Tode verstehen. Aber wichtig ist, dass wir noch leben, also leben wir!"
Wir trafen uns, diskutierten, planten arbeiteten unsere Erlebnisse, Frustrationen und Konflikte auf, gingen Spazieren und konnten neu starten. Die "Nicht nur Krokus-Gedichte aus Istanbul" haben in der Tat eine faszinierende Aktualität, aber müssen sie neu aufgelegt werden, wenn die erste Auflage mit 500 Exemplaren nicht ganz verkauft ist? Der Buchmarkt geht seltsame Wege: MALÜE hat ein persönlich signiertes Werk für über 100€ erstanden, um die Gedichte neu zu lesen und zu illustrieren.

Mir selbst ist Geld nicht so wichtig. Ich bin kein Verleger, Geschäftsmann, Kapitalist - ich habe meinen Kleinverlag, an den sich Hans-Jürgen Gawoll damals wandte, aus Idealismus gegründet, weil ich einer neuen Literaturphilosophie in die Welt verhelfen wollte. So entstand das Schreibhaus und dümpelt seitdem genauso vor sich hin wie ich vor mich hin dümple und arbeite - irgendwie unbeirrt und irgendwie die ganze Zeit nur irrend. MALÜE hingegen ruft zur kulturellen Offensive auf, als ginge es in das letzte Gefecht, nach dem "die Völker" die Signale gehört haben.
Jedenfalls ist es nicht verkehrt, sich mit den Gedichten und anderen Texten von Hans-Jürgen Gawoll zu beschäftigen, es nicht verkehrt neben Neuauflagen auch Neuausgaben zu planen und mit einer Schreibhaus typischen Programmatik ins nächste Jahrzehnt zu starten, zumal dieses das Geburtsjahr Hölderlins wie Hegels ist. Gäbe es eine Art literarische Astrologie, stünden die Sterne gar nicht schlecht.

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